Mit Lu und Cosmo um die Welt

Vom Ozean bis zum Himalaja – ein kleiner Einblick in das riesige Indien

„Sag mal Cosmo, meinst du nicht, du übertreibst ein wenig?“, fragt Lu und sieht seinen Freund mit erstaunten Augen an. Cosmo sitzt im Schneidersitz auf seinem Flugzeugsitz und trägt einen farbenfrohen Sari.

„Nö, wieso? Schließlich reisen wir in eines der buntesten Länder dieser Erde. Da will ich doch nicht ankommen wie ein grauer, langweiliger Vogel.“

„Na, wir würden dich auch unverkleidet in Indien willkommen heißen!“, ertönt plötzlich eine fröhliche Stimme aus dem Hintergrund. In der Reihe hinter Lu und Cosmo sitzt ein Junge.

„Ihr reist wohl zum ersten Mal in meine Heimat, wie?“
„Ja, das stimmt! Bisher kennen wir Indien nur aus Büchern und aus dem Fernsehen!“, bestätigt Lu.
„Na, dann: Namaste! – so sagt man bei uns zur Begrüßung“, erklärt der Junge, legt dabei seine Handflächen vor der Brust zusammen und verbeugt sich leicht.
„Namaste, wir sind Lu und Cosmo!“, erwidern die beiden im Chor, „und wie heißt du?“
„Ich heiße Mani. Und komme aus Jaipur. Das ist eine Stadt im Bundesstaat Rajasthan. Ich komme gerade zurück aus den Ferien bei meinen Tanten und Onkeln in Frankfurt.“
„Aber wir fliegen doch jetzt nach Delhi, nicht nach Jaipur“ fällt da Lu ein.

„Ja, ich fahre von Delhi dann mit dem Zug weiter. Indien ist riesig, und die vielen Zugverbindungen sind sehr wichtig für uns, und auch viele Reisende aus aller Welt sind fasziniert von unseren Zügen. Wenn man wollte, könnte man ganz Indien mit dem Zug bereisen – vom Norden im Himalaja bis in den Süden an den Pazifischen Ozean.“


Cosmo gerät ins Schwärmen: „Oh, das klingt wundervoll und nach echtem Abenteuer! Ich wollte auch schon immer mal mit einem indischen Zug fahren!“

„Ihr seid herzlich eingeladen mitzukommen, dann zeige ich euch unsere pinke Stadt Jaipur – Pink ist unsere Farbe für Gastlichkeit!“

„Das ist ja toll! Denn Pink ist neben Bunt meine absolute Lieblingsfarbe!“, freut sich Cosmo.

„Na, warum eigentlich nicht“, sagt nun auch Lu begeistert. „Für Delhi und den Taj Mahal in Agra haben wir ja dann immer noch genug Zeit.“

Viele Stunden später finden sich die neuen Freunde in einem Zug wieder. Das kleine Abteil ist mit glänzendem Holz ausgekleidet, die bunten Vorhänge flattern im Wind des offenen Zugfensters, und auf den Gepäckablagen stapeln sich Koffer und Taschen. Ungefähr fünf Stunden wird die Reise dauern, eine kurze Fahrt, wie Mani versichert, dafür, dass Indien so riesig ist. Und Lu bestätigt, dass er gelesen hat, dass Indien neunmal so groß wie Deutschland ist und hier über 1,3 Milliarden Menschen leben. Indien ist nach China das bevölkerungsreichste Land der Welt.

Auf dem kleinen Zug-Tisch hat Mani ein riesiges Picknick mit lauter Köstlichkeiten aufgebaut, die er von kleinen Marktständen vorm Delhi-Cantonment Bahnhof erstanden hatte: Darunter sind knuspriges Naan-Brot, „Samosas“ – lecker gefüllte Teigtaschen –, fein gewürzte Sonnenblumenkerne, fruchtige Granatapfelkerne und Lassis (eine Art Milchshake) mit Mango und Minze.

„Also ich habe ja jetzt noch nicht viel von Indien gesehen, aber eines weiß ich jetzt schon: Indien schmeckt fantastisch!“, schwärmt Lu.

„Du Mani, sag mal, warum tanzen und singen die Leute hier eigentlich gar nicht?“, wundert sich Cosmo.
„Wie meinst du das, Cosmo?“
„Na, im Fernsehen, da singen und tanzen die Leute doch immer ganz viel in Indien!“

„Achso Cosmo, ach so, du meinst unsere Bollywoodfilme, oder? Diese Filme sind sehr speziell und auch sehr eigenartig, aber dennoch verraten sie etwas über uns. Sie erzählen von unserer Fröhlichkeit. Denn auch wenn es wirklich viel Armut gibt in Indien – glaube ich, dass viele Menschen hier dennoch sehr zufrieden und lebensfroh sind. Vielleicht machen das die vielen Farben oder der Glaube oder das gute Essen!“

Draußen zieht die schöne Landschaft vorbei. Bauern schwingen auf den Feldern ihre Sensen, am Horizont erkennt man ein Gebirge.

„Oh schau mal, da faulenzt eine Kuh! Stimmt es, dass Kühe in Indien heilig sind?“
„Ja, das ist richtig. Vor allem für Hindus steht eine Kuh als Symbol für Fürsorge und Lebenserhaltung. Wer eine Kuh besitzt, passt sehr gut auf sie auf und ist sehr stolz darauf.“


Angekommen in Jaipur fahren die drei Freunde mit einer Rikscha durch die pinkfarbene Altstadt, vorbei am geschäftigen Basar und dem Amber Fort. Lu und Cosmo kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus und dann stehen sie plötzlich vor dem Hawa Mahal, dem Palast der Winde. Ein Gebäude wie aus einem Märchen, aus rosarotem Stein und verziert mit unzähligen Balkonen und Türmchen.

Da fasst Cosmo plötzlich in seine Tasche, zieht ein paar kleine Stoffbeutel heraus und wirft diese wild um sich herum und auf Mani und Lu. Die Beutel platzen. Überall fliegt bunter Farbstaub durch die Lüfte, und die drei Freunde sind von oben bis unten bunt gepudert …

„Cosmo! Was soll das denn?“
„Na, ich bin doch so fröhlich, weil das soooo schön hier ist! Und dann wirft man in Indien nun mal kleine Farbbömbchen!“

Mani hält sich den Bauch vor Lachen: „Ähm, na ja, also ehrlich gesagt schmeißen wir die Farben dann, wenn Holi ist. Dieses ,Fest der Farben‘ feiern wir im März, um den Frühling zu begrüßen. Aber das stimmt schon, diese Farben machen natürlich fröhlich … äh, und sehr bunt machen sie uns auch. Also meine Freunde, ich muss nun endlich nach Hause, denn morgen will ich in den Ranthambore Nationalpark. Dort arbeitet mein Vater und beschützt echte wilde Tiger, davon gibt es noch einige im Dschungel in Rajasthan.“
„Oh, ich will auch Tiger sehen. Echte wilde Tiere!“, ruft Cosmo begeistert.

„Nein, Cosmo, wir müssen nun wirklich zurück zum Bahnhof, und vor Tigern fürchte ich mich!“

Da kommt eine Karawane wunderschön bunt bemalter Elefanten an den dreien vorbei. Mani grüßt den Elefantenführer und hat eine Idee: „Na, wie wäre es dann statt wilder Tiger mit nicht ganz so wilden Elefanten? Ihr könntet auf ihren Rücken zurück zum Bahnhof reiten!“

Das lassen sich Lu und Cosmo nicht zweimal sagen. Die Freunde verabschieden sich herzlich von Mani. Was für ein aufregender Start im Abenteuerland Indien!