Mit Lu und Cosmo um die Welt

Rumänien – Auf den Spuren von Graf Dracula

Es ist Herbst, und die bunten Blätter flattern von den Bäumen, als Lu und Cosmo den kleinen rumänischen Ort Bran erreichen. Schon lange hatten sie vor, Rumänien zu besuchen. Das Land mit der Hauptstadt Bukarest liegt zwischen Bulgarien, Serbien, Ungarn, der Ukraine und Moldawien.


Ein wenig aufgeregt blicken Lu und Cosmo in Richtung des Schlosses, das oberhalb von Bran liegt. Es heißt, dort habe einmal Graf Dracula gelebt, der berühmteste Vampir der Welt – das haben sie in einem Buch gelesen.

Plötzlich kommt ein kleiner Junge auf einem Fahrrad vorbei und bleibt neugierig vor Lu und Cosmo stehen: „Na, ihr beiden. Ihr seid wohl hier, um euch auf die Spuren von Dracula zu begeben, was?“ Die beiden nicken vorsichtig. „Hihi,“ schmunzelt der Junge, „ihr seid nicht die ersten Vampirjäger hier in Bran!“

Da dreht sich Cosmo schnell zur Seite, greift in seine Tasche, steckt sich etwas in den Mund und dreht sich dann wieder zurück zu dem kleinen Jungen.
„JAHA SISCHER!“, nuschelt Cosmo ganz komisch, „wir fürschten uns nämlich mal vor gar nischts. Und schon gar nischt vor Vampiren!“

„Ja genau“, bestätigt Lu. „Wir haben nämlich auch schon Fledermäuse gesehen. Und Vampire sehen ja fast genauso aus, nur vielleicht etwas größer. Wer bist DU eigentlich?“
Der Junge lacht und antwortet: „Ich bin Barbu! Ich wohne hier in Bran und kenne mich supergut aus. Aber sag mal, du kleiner Kranich, wieso hast du dir denn gerade ein Vampirgebiss aus Plastik in den Schnabel gesteckt?“
„Na, äh, alschoo, damit du denkscht, ich sei auch genauschoo wie du ein Vampir!“, antwortet Cosmo.
„Ach, Cosmo“, wendet Lu beruhigend ein, „Barbu ist doch kein Vampir, nur weil er in Bran wohnt …! Außerdem würde er sonst doch auch fliegen und nicht mit dem Fahrrad fahren!“

Barbu lacht noch immer: „Ach, ihr seid ja lustige Vögel. Wisst ihr was?! Ich zeig euch einfach mal das Schloss!“

Auf dem Weg hoch zum Schloss sprudeln bereits die ersten Fragen aus Cosmo, das unbequeme Vampirgebiss hat er wieder herausgenommen: „Du, sag mal Barbu, was sind das eigentlich für riesig hohe Berge hier überall, und heißt Transsilvanien wirklich Transsilvanien?“

Barbu bleibt auf der steilen Schlosstreppe stehen, zeigt in die Ferne und um sich herum. „Die riesigen Berge um uns herum sind die Karpaten. Und hier am Rande des südlichen Karpatenbogens liegt Bran. Bran gehört zur Region Siebenbürgen, diese nennt man aber eben auch Transsilvanien.“ „Ui, Transsilvanien … wie gruselig …!“, flüstert Cosmo. Barbu hat ihn trotzdem gehört und fragt: „Aber wieso gruselig? Ich finde es eigentlich sehr lustig hier. Ich spiele den ganzen Tag mit meinen Freunden, wir fahren Fahrrad, gehen Angeln … Es ist ganz toll hier!“

„Ja, das hört sich eigentlich ganz gut an“, stimmt Lu zu. „Und es gibt sooo viel Natur! Weiter östlich im Donaudelta sollen unglaublich viele Vögel leben. So welche wie wir, Cosmo, und noch gaaanz viele andere!“

„Stimmt, das Donaudelta ist sogar ein Weltkulturerbe. Auch hier ist die Natur noch sehr unberührt und es gibt das größte Waldgebiet Europas.

Transsilvanien heißt übersetzt sogar ‚Jenseits der Wälder‘, und deswegen fühlen sich hier auch seltene Tiere so wohl, zum Beispiel Wölfe, Bären und Luchse.“

„Wow!“, ruft Cosmo ganz begeistert, „Wölfe? Auch Werwölfe?“ „Ach Quatsch“, lacht Barbu. „Das ist ja schon wieder so eine komische Sage. Genauso wie das mit den Vampiren. Wisst ihr, keiner kann das beweisen. Und dennoch gibt es unzählige Sagen darüber.“

„Und warum gibt es diese ganzen Sagen?“, fragt Cosmo. „Das ist so, weil alle spannende Geschichten lieben. Ihr und ich ja auch. Und das, obwohl ja jeder insgeheim weiß, dass Dracula eigentlich eine reine Erfindung von Bram Stoker ist. Dieser irische Schriftsteller schrieb vor weit über 100 Jahren den Grusel-Roman ‚Dracula‘.

So, wir sind da. Lasst uns eintreten.“ Unter lautem Türquietschen betreten die drei das Schloss Bran, das auf Deutsch Törzburg heißt. Es gibt dort ganz viele Zimmer, schmale Treppenaufgänge, dicke Mauern, klitzekleine Fenster, lange Flure, viele spitze Türme, … und dann stehen die drei Entdecker plötzlich dem sagenumwobenen Graf Dracula gegenüber! Also genauer gesagt einem großen Ölgemälde, das einen Mann mit langem, dunklem Haar, einem riesigen Schnurrbart und einer glitzernden Kopfbedeckung zeigt.

„So, Lu und Cosmo“, sagt Barbu feierlich und geheimnisvoll zugleich, „das ist er also: D-r-a-c-u-l-a.“ Cosmo greift mal wieder in seine Tasche und wirft sich blitzschnell eine Kette aus Knoblauchzehen um den Hals. In seinem Buch hat er nämlich gelesen, dass Vampire Knoblauch ziemlich eklig finden.
Da kriegt sich Barbu wirklich nicht mehr ein, so sehr hält er sich den Bauch vor Lachen. „Oh, Cosmo, du hast wohl echt alles über Vampire gelesen, oder? Du kannst die Kette wieder abnehmen. Das ist doch nur ein Bild.“

„Ach so ist das“, bemerkt Cosmo ein wenig enttäuscht und nimmt seine Knoblauchkette ab. Lu bemerkt: „Menno, Erwachsene können ja echt mal eine blühende Fantasie haben.“ „Und wie!“, bestätigt Barbu. „Aber es macht ja auch Spaß, spannende Geschichten zu lesen. Ich habe auch ganz viele Bücher eingepackt, denn ich fahre morgen mit meinen Eltern in die Herbstferien. An die rumänische Küste – ans Schwarze Meer. Vielleicht treffe ich da ja Piraten oder ein Seeungeheuer!“

Die drei schauen sich erst mit großen Augen an und dann lachen sie alle ganz laut. Wie lustig es doch sein kann – auf den Spuren von Dracula …!