Kann man auch bei Gewitter fliegen?

Eure Kinderfrage des Monats September (2016)
Marie, 9 Jahre, aus Hamburg





Für Piloten ist Wetterkunde ein wichtiger Bestandteil ihrer Ausbildung. Durch richtiges Einschätzen des Wetters und ständiges Beobachten der Wolken kann der Pilot beispielsweise bestimmen, um welche Wolken es sich bei einem Flug handelt und ob er einfach mittendurch- oder besser drumherumfliegen sollte.

Total grauer Himmel? Regen? Igitt! Aber was bedeutet das für den Piloten?

Dieses Wetter kommt oft bei einer aufziehenden Warmfront zustande: Die (etwas) wärmere Luft schiebt sich langsam auf die kalte Luft, kühlt in der Höhe ab und bildet Wolken – Meteorologen sprechen hier von „Schichtwolken“.

Was wir nicht so schön finden, bedeutet für den Piloten eigentlich stabiles Wetter. Aufpassen muss er nur wegen des Wassers – denn in den Wolken sammeln sich große Mengen davon, und in der Höhe kann es gefrieren und zu Eis werden. Wenn Wasser auf den Tragflächen gefriert, wird das Flugzeug schwerer und der Luftwiderstand, die „Aerodynamik“, verändert sich. Aber keine Sorge, alle Verkehrsflugzeuge besitzen spezielle Anlagen, die vor Eis schützen. Sie blasen warme Luft aus den Triebwerken in die Vorderkante des Flügels – so kann sich kein Eis bilden. Daher kann der Pilot durch Schichtwolken einfach hindurchfliegen.

Sommer, blauer Himmel mit kleinen weißen Häufchenwolken – das ist doch super Wetter zum Fliegen, oder?

Im Sommer bilden sich morgens die ersten kleinen weißen „Häufchen“ und entwickeln sich über Mittag/Nachmittag zu größeren Haufenwolken (ja, die nennt man wirklich so!). Das, was für uns am Boden hübsch aussieht, gefällt dem Piloten nicht unbedingt: Denn hier sind unfassbare Luftmassen in Bewegung, viel mehr, als man sich vorstellt. Diese steigen teilweise sehr schnell auf, bis zu 50 Kilometer pro Stunde. Das kann so ein Flugzeug schon mal ein wenig durchschütteln.

Wenn aus dem Häufchen ein Haufen oder gar ein Wolkenturm wird, entscheidet der Pilot meistens, auszuweichen und die Wolke zu umfliegen: Die Kräfte in den Wolken durch Auf- und Abwinde können sehr stark sein und zu unschönen, heftigen Turbulenzen führen.

Aber was ist denn nun mit Gewitter?

Jedes Linienflugzeug hat ein Wetterradar. Mit dem Wetterradar kann man Gewitter (auch in der Nacht) sehr gut sehen. Zu einem Gewitter gehören immer Blitze. Gerade bei großen Luftbewegungen entsteht viel Reibung und daraus … richtig! Blitze. Aber die sind für ein Flugzeug nicht allzu schlimm, die Außenhaut des Flugzeugs wirkt als „Faraday’scher Käfig“: Er wurde nach seinem Entdecker, dem Forscher Michael Faraday benannt. Der fand in einem Experiment nämlich heraus: In einem geschlossenen Raum, der von allen Seiten von bestimmten Metallen umgeben ist, ist man vor Blitzen geschützt.

Wenn also ein Blitz so einen Metallkäfig – z. B. ein Flugzeug – trifft, wird er von dem Metall um die Außenseite herumgeleitet und kommt so nicht ins Innere. Fliegt ein Flugzeug also durch ein Gewitter und wird vom Blitz getroffen, leitet das Metall den Blitz an der Außenseite weiter und am Heck des Flugzeugs ab.

Das größere Problem bei Gewitter ist Hagel. In großen Höhen und bei den Geschwindigkeiten, mit denen Flugzeuge fliegen, kann das zu Beschädigungen am Flugzeug führen, diese sind in der Regel nicht schlimm und werden nach der Landung repariert.