Nepal

Nepal

Jenni G., 17 Jahre
Art der Reise: freiwilliges Praktikum
Reiseziel: Pokhara (Nepal)
Einwohner: ca. 250.000
Dauer: 3 Wochen

Jenni, was hat dich denn nach Nepal verschlagen?
Jenni: Ich wollte in den Ferien gerne mal ein Praktikum im Ausland machen. Bei meinen Recherchen bin ich auf die Organisation „Child Welfare & Education“ gestoßen, die in Pokhara ein Heim für benachteiligte und elternlose Kinder von 4 bis 16 Jahren betreibt. Der Alltag dort ist streng geregelt: um 6 Uhr stehen alle auf, von 6:30 bis 8 Uhr gibt es Unterricht von einem Privatlehrer. Von 9:30 bis 16 Uhr ist dann Unterricht in der öffentlichen Schule und von 17 bis 19 Uhr noch mal Privatunterricht.

Für die Kinder ist das eine Riesenchance, da den meisten das Geld für eine schulische Ausbildung fehlt und vor allem die Mädchen auf dem Dorf deshalb oft schlecht gebildet sind. Durch die Organisation bekommen sie die Möglichkeit, nach der Schule sogar zu studieren und so ein besseres Leben zu führen. Ich habe während meiner Zeit dort bei der Versorgung der Kids geholfen, mich also viel mit ihnen beschäftigt. Das sind alles so liebe, aufgeschlossene Kinder, das war schon echt toll!

Wie ist denn dort generell der Stand der Frauen?
Jenni: Also die Jungs sind dort im Schnitt auf jeden Fall besser ausgebildet. Die Frauen müssen mit ihrer Kleidung die Knie bedecken und tragen die traditionellen Saris. Das Kastensystem hat dort auch immer noch eine große Bedeutung: Das ist der Glaube daran, dass jeder Mensch eine festgelegte Position in der Gesellschaft hat, die er nicht verändern kann. Hochzeiten werden teilweise noch mit Mitgiften verbunden, obwohl das eigentlich verboten ist. Das führt dazu, dass Töchter für ihre Väter quasi ein „Verlustgeschäft“ sind.

Gibt es für die Jugendlichen dort abends viel Beschäftigung?
Jenni: Na ja, Ausgehen ist eigentlich nur für Touris, die einheimischen Jugendlichen treffen sich eher heimlich in den Tempelanlagen. Ab und zu gibt es auch mal Konzerte oder Rap Battles, gelegentlich sogar Alkohol. Im Vergleich zu Deutschland sind die Menschen dort teilweise sehr arm, das war schon manchmal bedrückend. Im Heim haben wir zum Beispiel dreimal täglich Reis gegessen, mal mit Gemüse, mal mit Kartoffeln, und das jeden Tag.

Was habt ihr in der Freizeit unternommen?
Jenni: Oh, das Freizeitangebot war total vielfältig. Man kann da super Paragliden, die Landschaft ist echt atemberaubend. Eine richtig coole Bergwanderung haben wir auch gemacht, sind durch Flüsse gewatet, wo es auch Blutegel gab, und der Abschiedsabend war auch sehr speziell. Alle haben Saris getragen und es gab nepalesische Tänze. Überhaupt sind die Menschen da total freundlich und herzlich.

Hast du auch von der Religion etwas mitbekommen?
Jenni: Ja, ein bisschen. Die Nepalesen sind zum großen Teil Hindus. Was zum Beispiel ganz witzig ist: Kühe sind dort heilig. Die laufen da überall einfach so frei herum, genauso wie Affen übrigens. Was ich auch gesehen habe, sind Bestattungszeremonien an den Tempelanlagen. Dabei werden die Leichen mit ganz vielen Blumen geschmückt aufgebahrt und dann verbrannt; die Asche wird in den Fluss gestreut.

Hast du aus deinem Praktikum etwas mitnehmen können?
Jenni: Auf jeden Fall! Ich wäre sogar gerne noch länger geblieben. Es war sehr interessant, eine komplett andere Kultur so hautnah zu erleben und da richtig mittendrin zu sein – nicht wie in einem typischen Touristenurlaub. Besonders mit den Kindern zu arbeiten hat richtig Spaß gemacht, weil die alle so offen und dankbar waren. Die Erfahrung kann ich jedem nur weiterempfehlen!